Features

Donnerstag 09:05 Uhr Ö1

Radiokolleg - Weltbaustein CO2

Ein global gut gemischtes Gas auf dem Prüfstand (4). Gestaltung: Sabine Nikolay Es war einmal ein Planet ohne Lebewesen. Zuerst war er ein wahrer Hexenkessel aus verschiedenen Gasen, die sich mischten und um eine Achse drehten. Es war unvorstellbar heiß. Die Schwerkraft kam ins Spiel, die Gase verdichteten sich, ein fester Körper entstand. Schließlich bildete sich die Atmosphäre. Es begann zu regnen. Aus dem Gasgemisch in der Atmosphäre verband sich Wasserstoff mit Sauerstoff, fiel als Tropfen auf die glühende Oberfläche des Balls, verdunstete sofort und stieg als Dampf wieder auf. So ging das Millionen von Jahre, bis die Glut abgekühlt war und die Weltmeere entstanden. Die Kontinente wurden geboren und Kohlenstoff, der Grundbaustein für alles auf der Welt, formte sich zu Baumriesen, aber auch zu Gebirgen. Die Bäume trugen dazu bei, dass das Weltklima abkühlte, denn bei der Photosynthese wird das klimaerwärmende Gas CO2 - zwei Moleküle Sauerstoff und ein Molekül Kohlenstoff - aus der Luft gefiltert. Der Kohlenstoff wandert in den Baum, der Sauerstoff wird freigesetzt. Riesige Wälder entstanden, die Milliarden Tonnen CO2 banden. In den Weltmeeren lebten Millionen Tonnen Algen. Diese Wasserpflanzen tun dasselbe wie Bäume und andere grüne Pflanzen: sie wandeln mittels Photosynthese Kohlendioxid in Kohlenstoff und Sauerstoff um. Wenn ihr Lebenszyklus beendet ist, sinken sie auf den Meeresgrund. Dort mischten sich in der Frühzeit der Erde Millionen Tonnen organisches, kohlenstoffreiches Material mit Sedimenten. Unter hohem Druck entstanden in einem langen Prozess riesige Erdölreservoirs. Erdgas, das oft an denselben Fundstätten wie Erdöl lagert, entsteht auf ähnliche Weise: organisches Material, große Tiefe, Druck und Hitze sind daran beteiligt. Der Kohlenstoff in den Baumriesen der Erd-Urzeit hingegen verwandelte sich in Kohle. Gemeinsam ist den drei Substanzen: Werden sie verbrannt, wird Kohlenstoff freigesetzt. Er verbindet sich mit Sauerstoff und das Treibhausgas CO2 entsteht. Kein Wunder, dass es auf der Welt heißer wird, denn vereinfacht gesagt passiert nun alles rückwärts. Wir setzen frei, was einst frei war. Und jetzt kommt"s: Die Summe aller Energien bleibt gleich. Wenn wir so weitermachen, wird das frei gesetzte CO2 unsere Erde möglicherweise wieder in einen glühenden Ball verwandeln. Doch was genau ist CO2? Wie entsteht es? Wie vergeht es? Warum verwandeln sich 500 Tonnen Treibstoff in 1000 Tonnen CO2? Warum ist das schädliche Klima-Gas so haltbar?

Donnerstag 09:05 Uhr Bayern 2

radioWissen

Philippe Pinel Menschlichkeit und Psychiatrie Medizin im Ost-West-Konflikt Weiße Kittel ohne Skrupel Das Kalenderblatt 2.7.1982 Larry Walters stellt einen neuen Rekord für bemannte Luftfahrt mit Gasballonen auf Von Markus Mähner Philippe Pinel - Menschlichkeit und Psychiatrie Autor und Regie: Martin Trauner Der Franzose Philippe Pinel (1745 - 1826) galt lange Zeit als der "Vater der Psychiatrie". In den wirren Jahren der französischen Revolution, ganz im Sinne der Aufklärung, entschließt er sich, die seinerzeit sogenannten "Irren" von den Fesseln zu befreien. "Die Irren" - sie sind die Ausgegrenzten der Gesellschaft; die man in Zuchthäuser einsperrt, weil sie unheilbar krank zu sein scheinen.; die man in Ketten legt, weil man Angst vor ihnen hat. Philippe Pinel aber geht noch weiter. Er legt den Grundstein für eine menschliche Behandlung seiner Patienten. Das Pariser Frauenhospiz "Salpêtrière" baut er zu einer fortschrittlichen psychiatrischen Klinik um, in der er die Insassen nicht nur verwahrt, sondern auch menschlich behandelt und letztlich heilen will. Medizin im Ost-West-Konflikt - weiße Kittel ohne Skrupel Autor: Lukas Grasberger / Regie: Sabine Kienhöfer Schauplatz der Ost-West-Konfrontation: Das war nach 1945 nicht nur die politische Bühne oder der Ort, an dem Sowjets, US-Amerikaner und Verbündete Manöver abhielten. Der Kalte Krieg erfasste seinerzeit nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche - auch die Medizin. Im Bemühen, dem Gegner stets einen Schritt voraus zu sein, warfen etliche Ärzte dies und jenseits des "Eisernen Vorhangs" ethische Prinzipien über Bord: Davon zeugen die akribisch von Medizinern untersuchte radioaktive Verseuchung von Menschen in der Sowjetunion genauso wie Experimente mit Drogen und giftigen Chemikalien an Strafgefangenen in den USA. Forschung, angeblich zum Schutz von Soldaten und Zivilbevölkerung, ging dabei Hand in Hand mit der Entwicklung von Angriffswaffen. Moderation: Birgite Magiera Redaktion: Nicole Ruchlak

Donnerstag 09:30 Uhr Ö1

Radiokolleg - 30 Jahre Gender Trouble

Wie Judith Butler die queer Theory erfand (4). Gestaltung: Irmgard Wutscher Dieses Jahr wird eines der einflussreichsten philosophischen Werke dreißig Jahre alt: "Gender Trouble" erschienen 1990 auf Englisch, 1991 unter dem Titel "Das Unbehagen der Geschlechter" auf Deutsch machte Judith Butler zu einer der bekanntesten Philosoph/innen überhaupt. Sie genießt Popstar-Status und auf den Universitäten gab es seit den 1990er Jahren einen regelrechten Butler-Hype. Die Einsicht zu "Gender Trouble" soll der jungen Judith Butler beim Besuch einer Travestie-Show gekommen sein, wo sie feststellen musste, dass diese Männer* Weiblichkeit wesentlich überzeugender darstellten, als sie es je können würde. Aus diesem Gendanken heraus, so die Legende, entwickelte Butler ihre Ideen zur Dekonstruktion von Gender. Ausgehend von Simone de Beauvoirs Aussage "Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht" postuliert Butler, dass Geschlecht keine natürliche oder ontologische Tatsache ist, sondern durch Handlungen hergestellt werden muss - doing gender. Frau-Sein oder Mann-Sein sind sehr instabile Angelegenheiten, es gibt z.b. widersprüchliche Anforderungen was Mann-Sein in welchem Kontext bedeutet, deswegen muss die Verwirklichung von Männlichkeit scheitern beziehungsweise permanent aufs Neue performativ hergestellt werden. Das bezieht Butler nicht nur auf das soziale Geschlecht - gender - sondern auch auf das biologische Geschlecht - sex. Auch der Geschlechtskörper existiert laut Butler nicht als natürliche Tatsache außerhalb einer sprachlichen Realität. So abstrakt diese Gedanken aber erst einmal sind, so praktisch haben sie sich in den letzten dreißig Jahren auf unser Leben ausgewirkt: Etwa bei der Gender Medizin, wo erkannt wurde, dass Medikamente sich auf Frauenkörper anders auswirken als auf Männerkörper. Oder die (stärkere) öffentliche Wahrnehmung von Transgender-Rechten und Intersex-Personen, was unter anderem zu einer dritten Geschlechtsoption im Pass geführt hat und auf Facebook zu der Tatsache, dass mensch zwischen 58 Option auswählen kann, das eigene Gender zu benennen. Gerade die Dekonstruktion der Kategorien "Frau" und "Mann" ist es aber auch, die Butler zu einer der prominentesten Reibefiguren gemacht hat - in den unterschiedlichsten Kontexten. Zum einen stellt Butler eine der zentralen Kategorien der feministischen Wissenschaft "die Frau" infrage, was auch ein Problem für politische Forderungen des Feminismus darstellt. Auf der anderen Seite ist Gender vor allem für die rechtspopulistische Welt ein rotes Tuch, für Politiker wie Orban über Bolsonaro bis zur FPÖ. Was kann man also sagen über ein hochphilosophisches Werk, das wahrscheinlich die wenigsten gelesen haben und zu dem trotzdem jede*r eine Meinung hat? Irmgard Wutscher arbeitet Gender Trouble noch einmal auf und fragt sich, welche Veränderungen es in den letzten dreißig Jahren ausgelöst hat.

Donnerstag 09:45 Uhr Ö1

Radiokolleg - Die Insel der Klänge

Eine musikalische Reise durch Sardinien (4). Gestaltung: Verena Gruber Wer nach Sardinien reist, findet nicht nur ein Badeparadies. Die Insel ist auch ein Paradies der musikalischen Sprachen, die alle einen Ursprung haben: Die Musik entspringt der Natur, die in Sardinien gleichermaßen schroff und karg, wild und windig, exotisch und still ist. Vom archaischen Gesang des Canto a Tenore über die Schilfrohrpfeife, die Launeddas, von den traditionellen ethnischen Klängen hin zu den Jazzfestivals - die Spuren gehen zurück zu den Anfängen. Die Launedda wurde bereits vor 3.000 Jahren in Sardinien nachgewiesen. Sie soll bereits in der jahrtausendalten Nuraghenkultur eine Rolle gespielt haben. Der Canto a Tenore, der mehrstimmigen a capella Männergesang, ist eine der ältesten Gesangsformen Europas und gehört zum immateriellen Weltkulturerbe. An deren Anfang stehen die Schafhirten auf den einsamen Weiden in den Bergen Sardiniens standen. Heute wird in Sardinien bei Volksfesten und Prozessionen, auf Dorfplätzen und in Vereinen, immer noch die alte Tradition gepflegt. In den Musikschulen und Konservatorien, in Konzerthäusern und in den Clubs der Insel wird experimentiert und viele sardische Musiker*innen touren heute erfolgreich durch Europa. Das Vokalquartett "Tenores di Bitti" arbeitete mit Lester Bowie oder Ornette Coleman zusammen und trägt den sardischen Männergesang in die Welt. Belgische Musiker vom Ensemble Graindelavoix und italienische Sänger treffen aufeinander. Paolo Fresu, Gavino Murgia oder Enzo Favata vereinen in ihrer Musik den zeitgenössischen Jazz, mit Folklore, Minimalismus, Avantgarde und Soundscapes. Elena Ledda, eine der führenden Sängerinnen der Insel, ist ausgebildete Opernsängerin und sammelt seit Jahren die alten Gesänge ihrer Heimat und kreiert damit neue freie Musikformen. Die sardische Sängerin Franca Masu, eine weitere Grande Dame des Mittelmeeres, lässt in ihre Lieder die Lebensfreude des Jazz, die Saudade des Fados und die Leidenschaft des Tangos fließen. Eine Radiokollegreihe von Verena Gruber ist eine Reise durch die spannenden und geheimnisvollen Klangwelten Sardiniens. Fernweh garantiert!

Donnerstag 15:05 Uhr Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

Was macht uns aus? Der feine Unterschied zwischen Mensch und Tier Tiere in der Pubertät Abenteuerlustig, impulsiv, risikofreudig Das Kalenderblatt 02.07.1982 Larry Walters stellt einen neuen Rekord für bemannte Luftfahrt mit Gasballonen auf Von Markus Mähner Was macht uns aus? - Der feine Unterschied zwischen Mensch und Tier Autorin: Prisca Straub / Regie: Sabine Kienhöfer So einzigartig, wie wir denken, sind wir nicht. Oder? Nach Ansicht des Naturforschers Charles Darwin gibt es keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Mensch und Tier. Die offensichtliche Ähnlichkeit in Anatomie, Körperfunktionen und - wie wir heute wissen - auch in unserer Erbinformation lassen keinen Zweifel zu über unsere enge Verwandtschaft mit den Menschenaffen. Und unsere weitere Verwandtschaft sogar mit Kreaturen, die der Mensch gerne als "niedere Tiere" betrachtet. Dennoch tendieren wir dazu, uns für etwas Besseres zu halten. Was unterscheidet uns also von den Tieren? Was macht den Mensch zum Menschen? Während wir die Fähigkeit zu lernen, Werkzeuge zu gebrauchen, zu kommunizieren, zu kooperieren und etliches mehr mit vielen unserer tierischen Verwandten teilen, scheint sich der menschliche Geist jedoch deutlich von dem der übrigen Tiere zu unterscheiden: So können wir zum Beispiel über unser eigenes Denken nachdenken. Wir unterhalten uns über die Vergangenheit und machen Pläne für die Zukunft. Wir haben ein unstillbares Bedürfnis, unsere Gedanken mit anderen zu teilen und wir geben unser Wissen über Generationen weiter. Das eröffnet uns Möglichkeiten, die anderen Geschöpfen aus dem Tierreich verschlossen bleiben. Tiere in der Pubertät - abenteuerlustig, impulsiv, risikofreudig Autorin: Claudia Steiner / Regie: Eva Demmelhuber Abenteuerlustig, impulsiv, risikofreudig und ganz schön anstrengend - die Pubertät ist nicht nur für Menschen eine aufregende Zeit, sondern auch für viele Tiere. Die Veränderungen, die tierische Teenager durchlaufen, lassen sich zumindest teilweise mit denen menschlicher Pubertierender vergleichen. Heranwachsende Hunde zum Beispiel sind leicht ablenkbar und impulsiv. Pubertierende Mäuse und Ratten sind neugieriger als erwachsene Tiere. Makaken wiederum benehmen sich zeitweise wie Halbstarke. US-Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass sich die Vorgänge im Gehirn bei menschlichen Teenagern und bei den Primaten durchaus ähneln. Für die Herde sind Tiere in der Adoleszenz manchmal ziemlich anstrengend. Für die Jugendlichen selbst ist es ein lehrreicher, aber auch gefährlicher Lebensabschnitt. Denn wenn junge Thomson-Gazellen aus Übermut auf Raubkatzen zulaufen, statt das Weite zu suchen, kann dies mitunter tödlich enden. Anders als beim Menschen brechen viele heranwachsende Tiere den Kontakt mit den Eltern ganz ab, oft werden sie auch von der Gruppe vertrieben. Moderation: Iska Schreglmann Redaktion: Bernhard Kastner

Donnerstag 19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

Auf der Spur des Erregers Woher stammt das Corona-Virus? Von Sven Kästner Weltweit versuchen Forschende, die Ausbreitung der Corona-Pandemie zu rekonstruieren. Klar ist: Der Erreger hat seinen Ursprung in Tieren. Hätte ein besserer Artenschutz die Ausbreitung des Virus verhindern können?

Donnerstag 22:08 Uhr Ö1

Radiokolleg

Weltbaustein CO2.Ein global gut gemischtes Gas auf dem Prüfstand (4). Gestaltung: Sabine Nikolay 30 Jahre Gender Trouble. Wie Judith Butler die queer Theory erfand (4). Gestaltung: Irmgard Wutscher Die Insel der Klänge. Eine musikalische Reise durch Sardinen (4). Gestaltung: Verena Gruber

Mittwoch Freitag